5 Tage Alltag mit einem unalltäglichen Fahrzeug oder „I would drive 400 miles…“

 

„Stars shining bright above you
Night breezes seem to whisper „I love you“
Birds singing in the sycamore tree
Dream a little dream of me“
Dream a little dream of me – The Mamas & the Papas

Prolog:

Der Pontiac Fiero ist in den USA eine Legende. In den gerade mal 5 Jahren Bauzeit wurden über 370.000 Fahrzeuge hergestellt. Von seinem damaligen direkten Konkurenten, dem Toyota MR2 wurden gerade einmal 163.000 in den ersten 5 Jahren verkauft.

Der Fiero ist der erste und bis dato einzigste in Serie produzierte Mittelmotor-Sportwagen der von einem Hersteller aus den USA hergestellt wurde. Was viele nicht wissen, er ist auch der zweitsicherste zwischen 1984 und 1988 in den USA verkaufte PKW ist. Den ersten Platz hat der Volvo 740DL inne.

In Deutschland gilt er als Underdog, zum einen weil er auf dem europäischen Kontinent ursprünglich nicht angeboten wurde (Alle Fieros in der EU sind aus den USA importiert) und der für das europäische Klischeedenken schmalen Motorenpalette (größter Motor war ein V6 mit 2,8 l Hubraum und gerade mal 137 PS) – denkt man doch, wenn die Sprache auf US-Autos kommt, automatisch an Strassenkreuzer oder Sportler vom Format eines Dodge Charger mit absurd großen Hubräumen und dementsprechenden Verbräuchen.

Mein Fiero ist der 45.710. von insgesamt 46.581 gebauten Fieros in diesem Modelljahr (nur 870 Fieros wurden im Modelljahr 1987 nach Meinem noch gebaut). Auch gibt es Anzeichen dafür, das er eventuell den überarbeiteten Reihen 4 Zylinder (In Fierokreisen „Iron Duke“ genannt) des 88er Modelljahrs mit 111,5 PS hat. Gut möglich das es sich bei meinem um ein sogenanntes Zwischenmodell handelt. Das Merkmale von 2 Baujahren vereint…

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Heute liefen die Schilder für den Fiero aus. Mittlerweile hat er mit der Babette den Platz in der Schörn wieder getauscht – Zeit die Erfahrungen der letzten 5 Tage zu reflektieren:

Wenn ich bedenke, wie ich diesen Freitag mit dem Fiero zum ersten Mal das Gelände der Schörn nach 2,5 Jahren verlies, gespannt und zugleich ängstlich, weil es kann ja alles Mögliche passieren bei so einer Aktion, fuhr ich die ersten Kilometer wie auf rohen Eier.
Fiero und Makrochip mussten sich erst ein wenig aneinander gewönnen… zusammenwachsen… eine Personalunion von Mensch und Maschine bilden… nach einem Tankstop im 10 km entfernten Buchen wo 25,6 l vom „guten Stöffle“ (Shell V-Power) sich mit dem noch im Tank befindlichen (2,5 Jahre alter Sprit ca. 15 Liter) vermischt und ein deutlich zündwilligeres Gemisch gebildet haben, wurde die Reifen wieder auf Soll-Reifendruck gebracht und dann ging es gleich 18 km in die Arbeit. Das Schicksal fand es extrem witzig mich die kurvenreiche Strecke bei Regen fahren zu lassen, zum Glück waren die Wischblätter noch brauchbar.
Auf dem Rückweg von der Arbeit war der Bann sowohl beim Wetter als auch bei meinen Zweifeln, ob das Ganze gut gehen könnte, gebrochen. Ich verbrachte den Freitag nachmittag und abend damit, durch die Stadt und die nähere Umgebung zu cruisen.
Am Samstag morgen ging es auf große Tour. Am Schluss waren es über 370 km, die ich heruntergespult habe. Defekte? Keine! Gemütlich mit 100 km/h Vmax auf der Autobahn und auf Bundes und Landstrassen und die konsequente Vermeidung eines durchgetretenen Gaspedals resultierten in einem Verbrauch von 8,6 l/100 km, und ich bin mir sicher mit frischer Inspektion und mehr Zeit zum „eingrooven“ ist da noch ein halber Liter einzusparen.

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Wo man hinkommt wird der Wagen bemerkt. Z. B. In Walldorf wurde ich auf meine Frage nach dem Weg zur Autobahn mit der Frage konfrontiert ob das ein Lotus Esprit sei. (Gar nicht mal so schlecht – die zweite Serie des Lotus sieht dem Fiero von der Frontpatie recht ähnlich und ist auch technisch verwandt). Meist drehen sich Männer und Kinder nach dem seltsamen Auto um. An der Ampel sind die anderen Autofahrer etwas verwundert weil selbst Fahrer von Sportcoupes „gefühlt“ einen halben Meter höher sitzen als ich im Fiero (kein Wunder bei nur 1,19 m eingetragener Fahrzeughöhe – und das mit Serienfahrwerk!!!).

Auf dem Mai-AAB war der Wagen natürlich ein Highlight. Ich hatte in der Vergangenheit oft genug von dem Wagen vorgeschwärmt und nun stand er „einfach so“ da. Der Ein oder Andere nutze die Gelegenheit mal Platz zu nehmen und sich anhand einiger Erläuterungen meinerseits, davon zu überzeugen, das der Wagen einige Gimmicks hat, die zur damaligen Zeit keineswegs zum Standard bei europäischen Autos gehörten.
Den Montag und Dienstag verbrachte ich nach der Arbeit mit Kilometer, besser gesagt Meilen, schrubben…

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Fahrerisch ist der Fiero weder Temperamentsbolzen, noch eignet er sich für den Familieneinkauf, er ist ein gemütlicher Reisewagen für max. 2 Personen mit leichtem Gepäck. Kurvige Strecken sind dank der enormen Fahrzeugbreite (1,75 m) in Verbindung mit dem niedrigen Schwerpunkt und der ausgewogenen Gewichtsverteilung durch den Mittlemotor, extrem schön zu fahren, Für einen Sportwagen sehr komfortabel und praktisch ohne Seitenneigung fragt man sich nach den ersten Kurven, wie man bisher ohne einen Fiero im Fuhrpark nur auskommen konnte.

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Der 4 Zylinder wird durch die „Eco“-3-Stufen-Automatik mit Wandlersperre auf den ersten Blick arg ausgebremst. Schaltet sie doch recht früh hoch und recht unwillig runter.
Wenn man aber realisiert, dass der 2,5 Liter Motor ein extrem hohes Drehmoent abliefert, das es erlaubt schon ab 50 km/h mit 1250 Umdrehungen auf der Ebene „dahinzutuckern“ macht das Ganze Sinn. Man reitet die Drehmomentwelle und ist erstaunt wie die Fuhre auch bei recht amtlichen Steigungen nicht zurückschaltet, geschweige Probleme hat die Geschwindigkeit zu halten.
Man ist aber keineswegs langsam unterwegs – wenn man die anderen Fahrzeuge um einen herum beobachtet, stellt man fest, dass man trotz des vermeintlich trägen Eindrucks doch mit den anderen Wagen im Verkehr „mitschwimmt“.

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Am Besten zurücklehnen und entspannt dahingleiten… hier und da mal anhalten, Photos machen, die Landschaft geniesen und sich an der Tatsache erfreuen, das Ganze eben nicht in einem silbernen Golf Variant zu erleben, sondern in einem Auto das von seiner Vita in den Odenwald so gut passt wie ein Las Vegas-Showgirl auf den samstäglichen Tanztee des örtlichen Altenheims.

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Schön wars! Über 400 Meilen (ca. 660 km) habe ich in den 5 Tagen gefahren und dabei eine Menge Spass gehabt.
So wie es derzeit ausschaut, dürfte nach der Überholung der Scheinwerfermechanik (Teile liegen schon bereit) und der vorderen Bremsen neuem TÜV nichts entgegen stehen. Wenns klappt, möchte ich den Fiero noch 1-2 Monate dieses Jahr auf Saison (evtl. 03/10) fahren können.

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Es ist einiges an Arbeit – aber es lohnt sich!

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