[Chopper] Kilometer 4-39: Monnem Bike Festival

Heute vor 200 Jahren fuhr Freiherr von Drais auf seiner Laufmaschine von seiner  Mannheimer Wohnung an das Schwetzinger Relaishaus. Diese Jungfernfahrt gilt als Geburtstunde des Fahrrades, weswegen die Stadt Mannheim am vergangenen Wochenende eine riesiges Festival, das „Monnem Bike Festival“ veranstaltete.

Da im Rahmen des Festivals auch die 10. Mannheimer Radparade (eine großangelegte Ausfahrt) statt fand, dachte ich mir das das genau der richtige Anlass wäre, die Langstreckentauglichkeit meines umgebauten Heckträgers und (dank der für ein Singlespeed-Fahrrad dankbaren Topographie) auch das ideale Testfeld für die erste große Fahrt mit der Chopper wäre.

Ich habe mir im Vorfeld einen kostenlosen Parkplatz ein wenig ausserhalb der Quadrate gesucht und bin dann unbefangen in die mir fremde Stadt gefahren. Erste Station war der Radsalon auf dem einige große Firmen sich und ihre Produkte präsentierten. Leider nahmen die meisten Firmen ihre Chance nicht war, neben ihren Neuheiten (der Trend geht bedrohlich in Richtung Hybrid-Bike) ihre Kulteisen aus vergangenen Tagen zu zeigen. Einzig die Firma Puky zeigte einige Highlights aus ihrem Museum:

 

Ein luftbereiftes Dreirad Bj. 1951 im Erstlack…

 

…und handliniertem Rahmen.

Wenn man sich vorstellt, wieviel Kinder hier drauf die ersten zaghaften Schritte in Richtung Mobilität gewagt haben…

Auch ein Tretroller aus dem ersten Produktionsjahr 1949 war zu sehen.

aber auch Kinderfahrräder aus den späten 60ern (der Typ war in den 80er Jahren noch recht verbreitet bei meinen Spielkameraden) wurden gezeigt.

Auch der Typ von Tretrollern mit den Pressstahlfelgen waren in meiner Kindheit omnipräsent.

Was besonderes ist dieses Dreirad der „Caddy“-Baureihe. Als Bindeglied zwischen Dreirad und Fahrrad verfügt es über eine Stempelbremse und hat einen gekapselten Heckantrieb über eine Kette.

Puky als Traditionshersteller der immer noch komplett in Deutschland produziert ist sich seiner Geschichte bewusst und hat extra zum 200-jährigen Jubiläum eine Sonderedition ihres Laufrades aufgelegt. Hätte ich vom Stand weg gern für meine fast dreijährige Nichte gekauft, ist aber nur im Rahmen eines Preisausschreibens zu gewinnen. Selbstverständlich habe ich eine Karte ausgefüllt, vielleicht habe ich ja Glück.

Nächste Station war die Hochradschule die diverse alte und neue Hochräder zeigten und auch wie man auf sowas aufsteigt und fährt.

Was ich extrem gut fand, war ein Parcour wo Kinder historische Dreirädern fahren durften

Auf 2 Ständen gab es auch einen Querschnitt durch die Fahrradhistorie. Zum Beispiel ein NSU in einem sagenhaften Zustand

Details wie die für die damalige Zeit sehr aufwändige Lackierung und die Klingel mit Firmenemblem finde ich sehr beeindruckend. Heutzutage gibt sich kaum noch ein (Volumen-)Hersteller derart Mühe.

Die Hercules 2000 war ein Versuch mit einem Aluminiumdruckgussrahmen die Produktionskosten zu senken. Der Schuss ging leider nach hinten los. Die Rahmen waren nicht elastisch genug und brachen oft (vor allem im Tretlagerbereich). Nur Wenige davon haben überlebt.

Dieses Dahmenrad ist ein absolutes Highlight. Der Hersteller Heinz Panke Fahrzeugbau bot ab ca. 1950 gefederte Fahrräder und Tandems an.

Leider konnte sich die Räder nicht etablieren und verschwanden recht schnelle wieder vom Markt.

Darf bei so einem Kuriositäten-Kabinett nicht fehlen: Ein Bonanzarad aus den 70ern…

…lustiges Detail: Griffe in Bombenform

am Bonanza ein Muss: Mittelschaltung der Sachs 3-Gang-Nabe

und natürlich ein überdimensionierter Rückstrahler an der Sissibar

Dieses Fahrrad war auch ein Versuch den Fahrradbau zu revolutionieren. Große Teile des Rades bestehen aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Ähnlich wie beim Hercules 2000 kam es aber zu Problemen: Der Rahmen hatte mit Stabiltätsproblem zu kämpfen da im Alltagsgebrauch bei Sonne, Wind und Wetter der Kunststoff recht schnell versprödete und brach.

Ein sagenhaft erhaltener Halbrenner Bj. ca 1899

Ein englisches Rad mti Kreuzrahmen und vollgummibereiften 30″-Rädern

Und natürlich eine Laufmaschine. Allerdings kein Original sondern ein ungarischer Nachbau von 2014

Das hier gezeigte Delompré aus Frankreich ist ein Original von 1868. Es war eines der ersten Räder das über Tretkurbeln angetrieben wurde.

Das Wetter spielte am Samstag wunderbar mit und bei Temperaturen um die 28°C bot sich vor dem alten Rathaus eine sagenhafte Kullise für allerlei fahrradbezogene Stände

Hier wurden aus alten Fahrrädern Kunstwerke geschweisst

im D.I.Y. konnte man sein Rad selber warten oder aus die Hilfe der erfahrenen Betreuer zurückgreifen

Im Spray your Bike-Container war ein Airbrush-Künstler zu Gange

Am Bambus Bike Container wurde gezeigt wie ein Bambus-Rahmen gebaut wird.

natürlich gab es auch einige fertige Bambus-Räder zu bestaunen

Ich konnte z.T. nicht so schnell die Kamera zücken wie mir ausgefallene Fahrräder begegneten. Viele Gemeinden setzten auf eLastenräder die im urbanen Verkehr deutlich schneller mittlere Lasten befördern können als reguläre Kurier und Paketdienste. Heidelberg hat das ganze schon am Laufen. Mannheim will nun nachziehen. Gegen eine geringe Gebühr kann der Bürger dann das Lastenrad mieten um größere Transportaufgaben erfüllen zu können wo sonst ein Auto nötig wäre

Am Electrify your Bike-Container konnte man sein Rad zum Pedelec umbauen lassen…

…hier wird gerade ein Nabenmotor eingespeicht.

Der Pimp n’Style Your Bike-Container konnte man unter Anleitung sein Traumrad zeichnen bzw. designen

Der Rap N’Bike-Container zeigt Live-Rap-Shows wo zu kräftigen Beats auf Zuruf des Publikums Phrasen rund ums Fahrrad in Sprechgesang verwandelt wurden.

Selbstverständlich gab es verschiedenste Foodtrucks… Wie dieser der in einem polierten Airstream-Wohnwagen eingebaut war

In der Mitte des Platzes war eine abgeperrter Berreich wo junge Talente zeigten, was man mit einem BMX alles so anstellen kann. Leider hat meine Digicam (wie ich dort feststellen muss) eine sehr langsame Auslöserreaktion, sodass mir von bestimmt 40 geschossenen Bildern eigentlich nur ein brauchbares „Action“-Bild gelang

Dann noch einmal eine kleine Rad-Ausstellung mit einer weiteren „Draisine“

und einem herrlich patinierten NSU-Rad – das krasse Gegenteil zu dem Eingangs gezeigten Fahrrad

Beim Warten auf den Beginn der Radparade fiel mir dieser extreme Custom-Umbau auf.

interessantes Rahmenkonzept mit Zentralfederbein.

Dann gings los mit der Radparade. Eine ca. 16 km lange Radtour die mit Unterstützung der Polizei auf nahezu komplett gesperrten Strassen stattfand. Im Prinzip ist es ein Demonstration für mehr Fahrradfreundlichkeit, die es auch in vielen anderen Städten gibt. Durch einige Unzulänglichkeiten war es mir nicht möglich Bilder während der Fahrt zu machen. Zuviel andere Radfahrer auf die man achten muss. (Es wird gemunkelt das über 1.000 Fahrräder daran teilgenommen haben) beim ersten Zwischenstop in Ludwigshafen konnte ich allerdings 3 Bilder schiessen.

Zurück am Marktplatz stellte ich mich ein wenig auf die Seite und war innerhalb weniger Minuten von anderen Chopper umgeben, einige davon sind Mitglieder des Tretharley-Forums indem ich nun auch vertreten bin. Allerdings kann mein Stretch keineswegs mit den anderen Rädern mithalten. Dieses Dreirad hat eine amtlich laute Anlage auf der Pritsche die über die gesamte Radparade gut beschaltt hat

Interessantes Detail: die hinteren Räder… die Speichen sehen seltsam aus…

…wenn man näher ran geht sieht man da es sich tatsächlich um Fahrradketten handelt. Laut Aussage des Erbauers verhalten sich die Räder (bis auf das deutlich höhere Gewicht) ganz normal wie regulär eingepeichte Felgen.

Keines der Fahrräder ist „Standard“. Es wird viel umgebaut bzw. erweitert.

ziemlich extrem war dieser Rat-Look-Stretch der weit über 3 m Gesamtlänge hatte.

Neben vielen kleinen Details stach besonders der Jaguar auf dem Vorbau hervor.

der patinierte Sattel zeugt davon, das das Teil nicht nur ein paar Mal im Jahr bewegt wird.

Dagegen ist dieses Rad geradezu filigran und einfach gehalten. Intersantes Detail hier, das zusätzliche Kettenblatt das in der Kette läuft und als Kettenspanner fungiert.

Ein wunderbares Event – auch wenn ich mir einen ziemlich bösen Sonnenbrand an den Unterarmen zugezogen habe, bereue ich es nicht. Auch konnte ich so einige Schwachstellen der Chopper auf den insgesamt 35 km die ich an dem Tag gefahren bin entlarven. Da wird noch einiges an Arbeit nötig sein, damit das Teil voll alltagstauglich wird.

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